Mittwoch, 26. August 2020

Als Veranstaltungstechnik-Firma gehört die zeusaudio GmbH seit 2008 zu den Platzhirschen der hart umkämpften und bissigen Branche, die weit über die Grenzen der Stadt Koblenz hinaus, sogar europaweit, einen professionellen Eventservice mit Herz und Verstand anbietet. Sie ist Dienstleister für die großen Veranstaltungen der Region, baut dafür die Bühnen samt Musik-, Ton- und Beleuchtungstechnik. Geschäftsführer und Alleininhaber Christian Klotz, der ursprünglich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte, machte das als Drei-Mann-Betrieb in Koblenz-Lützel vor zwölf Jahren an den Start gegangene Unternehmen so groß, dass ihn heute dreizehn Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende, bei der technischen Planung und Durchführung von Veranstaltungen unterstützen. Mit zehn Bühnen kann er nahezu alle Veranstalter-Wünsche erfüllen. 

                                            Foto: Nico Franz (Pixabay)
                         

Bevor die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Stadt und Land einen Lockdown bescherten, lief das Geschäft wie am Schnürchen. Noch zu Beginn des Jahres durfte zeusaudio als Partner für eine große Tagung am Nürburgring die Technik stellen. Bald darauf, als Christian gerade mit seinem Wohnmobil Urlaub in Schweden machte, schwappte die Corona-Welle immer heftiger ins Land. Nach zwei Wochen entschied er sich, die Reise abzubrechen, um sich um die Firma und die Mitarbeiter zu kümmern. Die Rück- und Wiedereinreise klappte glücklicherweise völlig problemlos. Lediglich ein Truck, der zu dem Zeitpunkt mit einer seiner zehn Trailerbühnen unterwegs zu einer Messe nach Madrid war, wurde 200 Kilometer vor dem Ziel ausgebremst, da die Veranstaltung kurzerhand abgesagt worden war. Um den guten Kunden nicht zu verprellen, verzichtete Christian auf die Erstellung einer Stornorechnung. Für weitere abgesagte Veranstaltungen in Stadt und Land gab es für zeusaudio nur im Ausnahmefall Ausfallentschädigungen. In der Corona-Krise gilt ausgefallen und abgesagt eben nicht einzig für die Veranstaltungen, sondern zugleich für die bereits einkalkulierten Einnahmen. Als Beispiel zu nennen sind die Großveranstaltungen wie „Rhein in Flammen“, für die die Firma noch im Januar einen Dienstleistungsvertrag mit der Stadt Koblenz abschloss.

Die ersten Leidtragenden der damit einhergehenden finanziellen Belastung des an sich gesunden Unternehmens waren die (bis zu zwanzig) Freiberufler, die in Normalzeiten projektbezogen engagiert werden. Dann musste zeusaudio für die Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Die Auszubildenden, für die keine Kurzarbeit angeordnet werden kann, absolvierten den praktischen Teil der Ausbildung im Betrieb und kümmerten sich um die Instandhaltung der Geräte oder brachten Ordnung in das Lager. Mittlerweile können die zukünftigen „Fachkräfte für Veranstaltungstechnik“ und „Veranstaltungskaufleute“ zumindest wieder Theorie büffeln in der Berufsschule in Mainz.

Die gut vierwöchige Geschäftsschließung, die mit dem Lockdown einherging, verlangte von Christian Flexibilität, sofern er nicht monatelang untätig bleiben wollte. Branchenfremde Dienstleistungen wie die Herstellung von Masken wollten sie, wie alle Mitarbeiter gemeinsam entschieden, jedenfalls nicht anbieten. Der Onlineshop für die gebrauchte Bühnentechnik blieb zunächst die einzige kleine Einnahmequelle. Wirklich Geld verdienen ließe sich damit allerdings nicht, weil zeusaudio mit dem Preisdumping der größeren Firmen am Markt nicht mithalten könne. Sein Unternehmen lege zur Kundenbindung mehr Wert auf eine gute Beratung. 

                                            Foto: Marko Heinrich (Pixabay) 

Es wurden also weitere Finanzmittel benötigt, um Miete, Löhne und Leasingraten weiterbezahlen zu können. Mit dem 15.000 Euro-Corona-Soforthilfe-Kredit der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz sowie einem zinsgünstigen Corona-Kredit in Höhe von fast 500.000 Euro konnte dem Problem beigekommen werden. Zusätzlich will Christian jetzt das neue Konjunkturpaket in Anspruch nehmen, mit dem gesunden Unternehmen wie seinem bis zu 150.000 Euro zukommen sollen. Damit sähe er sich zumindest bis Ende des Jahres 2020 auf finanziell sicherem Boden.

Das in Folge der abgesagten Veranstaltungen von 120 auf null Prozent gesunkene Arbeitspensum betrachtet Christian nicht ausschließlich negativ. Er sieht es als „Zeit zum Luftholen“, als Zeit für kreatives Denken, als eine Chance. Dennoch will und kann er das Geschäft nicht komplett stillegen. „Livestreaming“, der Zug, auf den viele Künstler in der veranstaltungsfreien Zeit aufspringen, diente dann auch ihm als eine Art von Beschäftigungstherapie. Leider ließen sich mit diesem Format kaum Einnahmen erzielen, weil die Bereitwilligkeit der Zuschauer, für das Angebot etwas zu bezahlen, (noch) nicht gegeben ist. Zeusaudio begleitete verschiedenste Projekte. Im Musik- und Kleinkunstclub „Café Hahn“ produzierte die Firma zum Beispiel recht erfolgreich das mehrteilige Talkshow-Format „Ko'n'Taktlos“ mit Dörthe Dutt als Moderatorin, das anfangs von jeweils rund 250 Zuschauern live online verfolgt und letztlich weit mehr als eintausend Mal aufgerufen wurde. Mit zunehmend besserem Wetter gingen die Zuschauerzahlen allerdings drastisch zurück und die Serie wurde eingestellt. Des Weiteren bot zeusaudio die technische Ausrüstung des Live-Audits der „pop rlp masterclass“, die zur Unterstützung junger Nachwuchskünstler/innen im Bereich der Popularmusik ins Leben gerufen wurde.

Mittlerweile, da auch Industriekunden das Livestreaming für sich entdecken, werfe der Markt, nicht zuletzt aufgrund verschiedener Fördertöpfe, sogar ein wenig Geld ab. Auf diese Weise laufe das Geschäft langsam neu an. Gerade erst wurde zeusaudio als Technikpartner gebucht für das digitale Hoffest eines Weingutes und für eine Gin-Tasting-Aktion im Café Hahn.

Dass immer wieder der Name „Café Hahn“ auftaucht, ist kein Zufall. Hier sind Christian und sein Bruder Marc quasi zu Hause. Der Bruder betrieb früher einmal einen Musikalienhandel und arbeitete im Café Hahn. Über ihn rutschte Christian, der eine Zeitlang sogar Mieter einer über dem Club liegenden Wohnung war, vor 25 Jahren in das Veranstaltungsthema. Damit entstand nach und nach die enge Partnerschaft zwischen dem Kleinkunstclub und zeusaudio. Nun steht Café Hahn, das in Vor-Corona-Zeiten nahezu täglich mit einem Kulturprogramm aufwartete, mehr oder weniger leer. Das brachte Christian auf die Idee, zumindest bis Ende September in den zurzeit für nur 35 Personen zugelassenen Räumlichkeiten eine Plattform anzubieten für Webinare, Workshops, Konferenzen und Meetings, genauso wie für Talk-Formate, Tastings und vieles mehr – natürlich unter Einhaltung aller coronabedingten Hygienevorschriften. Zusätzlich stellt zeusaudio die Bühnentechnik für die jetzt in abgespeckter Form stattfindenden Veranstaltungen auf der Festung Ehrenbreitstein, wo sich Café Hahn seit 2012 um die gesamte Gastronomie und das Eventmanagement öffentlicher und geschlossener Veranstaltungen kümmern darf.

Obwohl zeusaudio trotz der Corona-Krise gar nicht so sehr schlecht dasteht, beteiligte sich Christian Ende Juni an der europaweiten Aktion „Night-Of-Lights“, mit der nach rund vier Monaten Berufsverbot auf die katastrophale Lage der durch die Corona-Krise bedrohten Veranstaltungswirtschaft aufmerksam gemacht werden sollte. In Koblenz erstrahlten in rotem Licht historische Gebäude wie das Schloss, Fort Konstantin und das deutsche Eck. Christian hätte gerne die vom Land Rheinland-Pfalz verwaltete Festung Ehrenbreitstein beleuchtet. Er bedauert, dass es dafür weder rotes noch grünes Licht gab, weil die Generaldirektion Kulturelles Erbe die Befestigungsanlage nicht für die Interessen einzelner Berufsgruppen benutzt sehen wollte. Unterm Strich habe die Aktion ihr Ziel nicht erreicht, sondern sei letztendlich als ein weiteres kostenfrei gebotenes Event wahrgenommen worden. Mehr Sinn hätte es vermutlich gemacht, einmal großflächig, beispielsweise bei einer öffentlichen Veranstaltung der Landes- oder Bundesregierung, Licht und Technik abzuschalten.

Obwohl kleinere Veranstaltungen inzwischen wieder erlaubt sind, wird die Veranstaltungswirtschaft weiterhin darben müssen. Denn die Konzepte seien auf Großveranstaltungen schwierig bzw. gar nicht übertragbar. Die ersatzweise organisierten Autokino-Konzerte seien ebenso wenig ein Heilsbringer. Der Aufwand sei riesig, die Einnahmen aufgrund viel zu niedriger Zuschauerzahlen zu gering. Nur mit der „alten Normalität“ seien Konzerte, Stadtfeste und Messen rentabel umsetzbar. Allenfalls könne er sich eine Art „Hybridlösung“ vorstellen, sagt Christian, bei der ein kleines Livekonzert mit wenigen Besuchern durch ein Onlinekonzert für die Masse der Zuschauer ergänzt werde.

Einstweilen sitzt er die veranstaltungsfreie Zeit einfach aus, versucht, mit den Gegebenheiten umzugehen. Allerdings wünscht er sich vonseiten der Regierung zur Optimierung der Situation und für bessere Planungsmöglichkeiten nicht allein für seine Branche klare Vorgaben, deren Sinnhaftigkeit deutlich werde.

Wie es für zeusaudio, das Unternehmen, dessen Aufbau er als seinen größten Erfolg betrachtet, jetzt weitergeht, könne er nur mit einem Blick in die Glaskugel sagen, die gerade allerdings unter den Schrank gerollt sei, meint Christian. Spätestens im Januar 2021 sollte ein Normalbetrieb wieder möglich sein. Anderenfalls müsse er gewiss Personal reduzieren, wenn nicht gar den Betrieb schließen, obwohl er in den letzten zehn Jahren wirklich viele Aufträge ausführen durfte und damit gutes Geld verdiente. 

Die persönliche Alternative des 44-Jährigen zu zeusaudio wäre vielleicht ein Anstellungsvertrag bei Koblenz-Kongress, am Theater oder im Öffentlichen Dienst.

Wer weiß, was die Glaskugel seinem weiteren Werdegang prophezeit?

Das Gespräch mit Christian Klotz führten Sylvie Weber und Barbara Senger.

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