Donnerstag, 5. November 2020

Das Elektrohandwerk in der Coronazeit

Auf der Referenzliste eines Koblenzer Elektroanlagen-Unternehmens stehen viele namhafte Firmen. Zielstrebigkeit, Kompetenz, stete Weiterbildung und ein hoher Qualitätsstandard haben den Familienbetrieb zu einem überregional namhaften Unternehmen heranwachsen lassen. Zur Zeit sind es 25 Mitarbeiter, die in ganz Deutschland in der eigenen Firmenflotte unterwegs sind, um Netzwerktechnik, Beleuchtungsanlagen, Kommunikationstechnik, Photovoltaikanlagen und vieles mehr zu installieren und in Betrieb zu nehmen.                      

                                                    Das Unternehmen installiert auch Photovoltaikanlagen
                                                                                                         (Symbolfoto Pixabay)                     

Der aufgrund der Corona-Pandemie im März dieses Jahres von der Regierung ausgerufene Lockdown bereitete zunächst sogar diesem Unternehmen, das als Problemlöser bekannt ist, schlaflose Nächte. Projekte wurden zurückgefahren und Aufträge in sechsstelliger Euro-Höhe storniert, obwohl das Elektro-Handwerk von der Bundesregierung als systemrelevant eingestuft wurde. Das Arbeiten war von daher unter Einhaltung der Hygieneauflagen durchgängig weiter möglich. Aber mit überwiegend Gewerbe- und Industriekunden ließ sich das einfach nicht realisieren. Auf den Baustellen seien zu viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gewerken im Einsatz. Da werde es schnell eng, wie die Firmenleitung aufzeigt. Hygienevorschriften seien dort nicht umsetzbar. 

Auftragsstornierungen 

Gerade zu Beginn der Krise war die finanzielle Unsicherheit sehr hoch. Immer wieder wurden Aufträge abgesagt, denn die Firmenkunden fuhren oftmals ihr Budget für Renovierung und Reparatur komplett herunter. Andere Kunden fürchteten sich vor der Einschleppung des Virus, weshalb keine Fremdfirmen die Geschäftsräume betreten durften. Nur Notdienste waren zugelassen. Auf diese Weise gingen Großaufträge verloren, die ansonsten zwei Mitarbeiter ein ganzes Jahr lang eingebunden hätten.

Im März konnte sich der Betrieb noch gut über Wasser halten“, sagt der Geschäftsführer, „weil wir die Zeitfenster nutzten, um zurückgestellte Aufträge abzuarbeiten“. Im April bauten die Mitarbeiter wegen der auf Null-Niveau befindlichen Auftragslage Überstunden ab und nahmen Resturlaub. Im Mai musste das Unternehmen einen Teil seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, die übrigen hielten sich für eventuell kurzfristig eingehende Aufträge zur Verfügung.

Die Lage entspannte sich 

In den Monaten Juni/Juli erholte sich die Lage langsam und erste Aufträge konnten ausgeführt werden. Die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen verhalf dem Betrieb zu einem zusätzlichen Auftrag. Nach dem Urlaubsmonat August konnte er wieder volle Auslastung melden. „Bei uns hat niemand wirklich Angst, sich anzustecken. Wir berücksichtigen so gut es geht die Hygieneauflagen und passen uns den veränderten Umständen an“. Zum Schutz der Mitarbeiter werde in den Fahrzeugen Mund-Nasen-Schutz getragen, denn ein Mindestabstand lässt sich dort natürlich nicht einhalten. Die Anti-Corona-Auflagen bereiten Mühe und kosten Zeit. Als Beispiel nennt der Geschäftsführer den Umbau einer Betriebsstätte. Vor Corona sei das in zwei Wochen erledigt gewesen. Jetzt werde die doppelte Zeit gebraucht, weil jeweils nur ein oder zwei Gewerke an der Baustelle eingeteilt sind, um die Handwerker nicht zu nah aufeinander rücken zu lassen.

Der Chef ist froh, beruflich auf ein gutes Pferd gesetzt zu haben, schließlich habe das Handwerk auch in Krisenzeiten wie dieser immer gut zu tun. Mitbewerber, die vorwiegend Privatkunden bedienen, hätten gar keine oder nur geringe finanzielle Einbußen zu beklagen gehabt. Viele Privatkunden nutzten die Lockdown-Zeit nämlich, um längst fällige Arbeiten am Eigentum durchführen zu lassen. Auch wenn es seinen Betrieb wegen der Kundenstruktur mehr gebeutelt hatte, schaut der Geschäftsführer auf die vergangenen Monate mit Gelassenheit. „Unsere Probleme waren relativ gering im Vergleich zu den Problemen in anderen Branchen. Gastronomie und Tourismus habe es beispielsweise viel härter getroffen. 

 

Das Positive am Lockdown 

Für den Chef persönlich habe der Lockdown sogar etwas Positives gebracht. Endlich einmal konnte er ohne schlechtes Gewissen seine Freizeit genießen, ganz viel Mountainbike fahren oder beliebig in den Tag hineinleben. Pläne wurden zu der Zeit privat wie geschäftlich nur von einem auf den anderen Tag gemacht. Die ansonsten schon am Anfang des Jahres feststehende Jahresplanung hatte sich komplett aufgelöst. Das war eine ganz neue Erfahrung für ihn.

Dennoch hatte er gehofft, dass es keinen neuen Lockdown geben werde. Denn die Folgen für die Wirtschaft seien dieses Mal sicher noch gravierender. Seiner Meinung nach gibt es nichts, was er bei diesem zweiten Lockdown anders machen kann als beim ersten Mal. Er hofft allerdings, dass die staatliche Unterstützung in dem neuen Krisenfall viel unbürokratischer über die Bühne geht.

 

Administrative Stolpersteine 

Schon in normalen Zeiten empfindet der Chef die administrativen Anforderungen rund um das Geschäftsleben als eine Zumutung. Steuerliches, Arbeitsschutzregelungen und Dokumentationspflichten seien heutzutage derart umfangreich, dass externe Beratungs-Unternehmen kostenintensiv hinzugezogen werden müssen. Sich mit all dem Papierkram stundenlang zu beschäftigen, sei schlichtweg vertane Zeit.

Ein gutes Stichwort: Seine Zeit ist nun wieder knapp, denn (noch) ist das Auftragsbuch voll. Das Elektroanlagen-Unternehmen ist bisher gut durch die von den Coronamaßnahmen geprägte Krise gekommen und will sich daher in den nächsten Monaten dem Projekt „Umzug“ widmen, weil die Räumlichkeiten am jetzigen Betriebsort einfach zu klein geworden sind. 


Das Interview mit dem Geschäftsführer des Unternehmens, das auf eigenen Wunsch namentlich nicht erwähnt werden möchte, führten am 08.10.2020 Sylvie Weber und Barbara Senger.

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