Die
gästearme Zeit nutzte die Hotelier-Familie, um im Haus und in
einigen Zimmern kleinere Reparaturen durchzuführen und alle Zimmer
zu streichen. Wie gut, dass sie dafür auf einen patenten Hausmeister
und die ihn unterstützenden Auszubildenden zählen konnte. Auch ein
flächendeckendes Highspeed WLAN-System wurde installiert. Mehlhorn
geht davon aus, dass vor allem Jüngere nach Corona wieder reisen
werden, Technologisierung wie ein leistungsfähiges WLAN gehören
hier zum Standard.
Die Küche des hoteleigenen, jetzt von nur
wenigen Hotelgästen genutzten Restaurants lief auf Sparflamme.
Zusätzliche Arbeit erhielt das Küchenpersonal mit der Umsetzung der
Lieferbox-Idee. Hungrige Koblenzer konnten damit ein komplettes
Hauptgericht zum Fertigkochen als sogenannte „Cook &
Chill“-Version abholen oder liefern lassen. Vor allem die vegane
Auswahl kam bei vielen Koblenzern super an.
Mehrwertsteuer-Senkung an Kreditlaufzeiten koppeln
Trotz der in der
Krise bewiesenen Kreativität musste sich die Familie von einigen
wenigen Mitarbeitern trennen, die sich noch in der Probezeit
befanden. Für den Großteil der übrigen 33 fest angestellten
Mitarbeiter wurde Kurzarbeit angemeldet, ein geringerer Teil baut
Überstunden ab. Kurzarbeitergeld, eine kooperative Hausbank und
der vor einigen Tagen beantragte KfW-Schnellkredit sollen die von den
Corona-Eindämmungsmaßnahmen verursachte finanzielle Krise abfedern.
Die auf ein Jahr begrenzte Reduzierung der Mehrwertsteuer für die
Speisen (nicht aber für die Getränke) im Restaurant ist wohl nicht
viel mehr als eine freundliche Geste der Bundesregierung. Mehlhorn
hielte es für zielgerichteter, die Dauer der Mehrwertsteuer-Senkung
an die Laufzeiten der vergebenen Corona-Kredite zu koppeln.
Zukunftspläne und Aussichten
Dennoch soll zumindest am Anfang
noch ein wenig vorsichtig und mit mehr eigenem Einsatz gewirtschaftet
werden, um die Kosten gedeckelt zu halten. In der Situation ist es
von Vorteil, dass Nils Mehlhorn gelernter Koch und Restaurantfachmann
ist, dass er BWL studierte und Berufserfahrung in Malaysia sammeln
konnte. Im Jahr 2011 initiierte er sehr erfolgreich die am Fuße des
Hotels am Rheinufer gelegene „Cuvée - DIEHLs Lounge“, die sich
zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte, wo Feierabend und
Sonnenuntergang in netter Gesellschaft genossen werden. Einige Jahre
später entschied er sich, das Angebot der Eltern anzunehmen und sich
auf die Übernahme des Hotels im Jahr 2020 vorzubereiten, weshalb er
seit 2015 im Hotelbetrieb mitarbeitet.
Doch die Corona-Krise erfordert die Verschiebung des Hotelübergabetermins. Denn die in dem Zuge geplanten, im siebenstelligen Euro-Bereich veranschlagten
Investitionen zur Modernisierung des Hauses und zur
Konzeptveränderung können gerade nicht getätigt werden. Die Pläne
für die Arbeiten liegen allerdings abrufbereit in der Schublade. Vor
allem den Lobbybereich will Nils Mehlhorn aufwerten, ihn zum „Herz
des Hotels mit Aufenthaltsqualität“ umgestalten. Zunächst jedoch
muss zwecks Einhaltung der vom Virus diktierten strengen
Hygieneauflagen, die im Hotel schon vor Corona-Zeiten hoch waren,
umgestaltend investiert werden. Nils will ein Konzept etablieren, das
Sicherheit mit Behaglichkeit paart. Außerdem legt er mehr Wert auf
nachhaltige Investitionen, denn „Distanz, Hygiene und Mundschutz
werden uns weiterhin begleiten“. So soll jetzt außer der
Plexiglasscheibe an der Rezeption für die Gäste ein hochwertiges
Handwaschbecken mit bereitgelegten Einmalhandschuhen im
Eingangsbereich installiert werden. Mehraufwand für seine
Mitarbeiter bringt die temporäre Hygieneauflage, nach der
Speisenangebote in Buffetform nicht erlaubt sind. Brot, Wurst, Eier
und Co. müssen zum Frühstück nun an den Tisch gebracht werden. Die
Einhaltung von Abstandsregeln hingegen sei aufgrund der Größe des
hoteleigenen Restaurants problemlos zu gewährleisten.
Nils an der Hotelrezeption
Nils
Mehlhorn ist guter Dinge, dass seine Familie das inhabergeführte
Traditionshotel sicher durch die Corona-Krise bringt, obwohl die
Umsatzeinbußen für dieses Jahr voraussichtlich einen
siebenstelligen Euro-Betrag ausmachen. Dem entgegensteuernd werden
die Preise für die Speisen leicht angehoben, die Übernachtungspreise
jedoch werden wie gehabt saisonal und je nach Auslastung kalkuliert.
Dem neu beginnenden Hotel- und Restaurant-Betrieb blickt der
Junior optimistisch entgegen und vertraut darauf, dass die
Corona-Auflagen von den Gästen eingehalten und akzeptiert werden.
Sein Mitarbeiter-Stab und seine Familie wollen gerade in dieser Zeit
noch mehr dazu beitragen, den Service am Gast mit Leidenschaft zu
leben.
Das Gespräch mit Nils Mehlhorn führten Sylvie Weber und Barbara Senger am 19.05.2020 im Diehls Hotel.



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