Mit viel Liebe und Engagement betreiben Ali und Kerstin Galas seit Dezember 2018 das im Koblenzer Dreikönigenhaus ansässige Restaurant Reĝa in der Kornpfortstraße 15. Nach einem ersten, hauptsächlich der Mundpropaganda geschuldeten, sehr erfolgreichen Jahr hier in der Altstadt bremsten das Corona-Virus und der ab Mitte März 2020 zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie angeordnete Lockdown sämtliche gastronomischen Aktivitäten aus. Nach der Schließung des Hauses, das Heimat des ISSO-Institutes ist, blieb den Gastwirten nichts anderes übrig, als die beiden nicht zur Familie gehörenden Mitarbeiter sowie die Aushilfen zu entlassen, um überhaupt eine Chance zu haben, weiterzubestehen. Denn Kosten fallen für den Betrieb weiterhin an, auch wenn keine Umsätze erzielt werden. Der Gewinn des Vorjahres sei dahingeschmolzen. „Ich habe das Gefühl, ein ganzes Jahr komplett umsonst gearbeitet zu haben“, zeigt sich Ali Galas enttäuscht.
Nachdem
der Restaurant- und Hotelfachmann, der darüber hinaus gelernter
Koch, Sommelier und Barkeeper ist, das Restaurant aufgrund der
Lockerungsmaßnahmen seit dem 13. Mai wieder betreiben darf, um aufs
Neue die Gäste mit mediterraner, frischer Küche und feinsten
Zutaten zu verwöhnen, ist die Welt dennoch nicht in Ordnung. Denn
der erhoffte Ansturm blieb bislang aus. Für diesen Freitag Abend
konnte das Ehepaar Galas lediglich zwei Tischreservierungen
entgegennehmen. In Vor-Corona-Zeiten vermeldeten sie für den als
Insider-Restaurant geltenden Betrieb mit seinen fünfzig Sitzplätzen
stets volle Auslastung. Die wegen der Pandemie zu beachtenden strengen, manchmal kaum plausiblen Auflagen betrachtet das Paar als extrem knebelnd, die Gastronomen würden damit zu sehr in die Verantwortung genommen. Die Hygienemaßnahmen, die Listen mit den Kontaktdaten der Gäste, das Trennen von Gästegruppen und das für die Servicekräfte vorgeschriebene Tragen von Mund-Nasen-Schutz passten nicht recht zu dem Ambiente eines gepflegten Essens und zu dem Anspruch an Komfort und Bequemlichkeit. Derzeit fühle sich ein Restaurantbesuch eher wie „betreutes Dinieren“ an, beklagt Galas. Obwohl ja nicht einmal Flaschen geöffnet und Wein nachgeschenkt werden dürfen.
Selbst wenn sich die vornehmlich ältere und finanziell besser gestellte Stammkundschaft von den Einschränkungen nicht abschrecken ließe, dürfte Galas derzeit weniger als die Hälfte der Gäste bewirten. Denn die Tische im Restaurant müssen in einem Mindest-Abstand von anderthalb Metern angeordnet sein. „Wir machen dennoch alles streng nach Vorschrift, informieren uns in engem Austausch mit der IHK laufend über die aktuellen Vorgaben“, sagt Kerstin Galas, die hauptsächlich für Service und Verwaltung zuständig ist. Und dennoch gebe es immer wieder Unsicherheiten, die sie vor die Wahl stellten, eine Ordnungsstrafe zu riskieren oder einen Umsatzverlust hinzunehmen. So wie es jetzt bezüglich der wieder verlängerten Öffnungszeiten der Fall sei, zu denen sie bislang keine gesicherte Auskunft erhalten konnten.
Das vermutlich aus Angst vor einer Infektion feststellbare Ausbleiben der Gäste dämpft nicht allein die Motivation der Gastronomen, sondern lässt mit geschätzt nur noch einem Fünftel des normalen Umsatzes das finanzielle Loch in der Haushaltskasse trotz der erhaltenen Corona-Soforthilfe, trotz eines gewährten Pachtnachlasses, trotz der bis Ende Juni gestundeten Sozialversicherungsbeiträge weiter anwachsen. In der Situation sei es besonders ärgerlich, dass ihr Betrieb für das beantragte Kurzarbeitergeld jetzt schon im zweiten Monat in Vorleistung gehen musste, weil die Arbeitsagentur überlastet ist.
Um die Durststrecke durchstehen zu können, wünschen sich Ali und Kerstin Galas, genau wie die Mehrzahl der Branchen-Kollegen, weitere Zuschüsse, die die Umsatzeinbußen ausgleichen. Die für drei Monate kalkulierte Soforthilfe sei bei weitem nicht ausreichend gewesen. Zusätzlich fordern sie die auf Speisen gewährte Reduzierung der Umsatzsteuer zusätzlich auf Getränke einzuräumen und diese Regelung nicht lediglich auf ein Jahr zu begrenzen.
Ali Galas weiß, dass die Lage weder bei den Gastro-Großhändlern noch den Koblenzer Kollegen erheblich besser aussieht. Die Restaurants, die über einen großen Biergarten verfügen, können wohl etwas mehr Umsatz – insbesondere aufgrund der konsumierten Getränke – erzielen. Da kann er nicht mithalten, denn er hat lediglich vier Tische vor dem Restaurant stehen, an denen zudem, trotz verkehrsberuhigter Zone, beinahe im Sekundentakt die Autos so nahe vorbeifahren, dass ein gepflegtes Essen hier undenkbar erscheint.
Mit einer Konzeptänderung, innerhalb der er sich von der gehobenen Gastronomie verabschieden und auf „To-Go“-Betrieb umstellen würde, könnte er kurzfristig vielleicht ein wenig mehr Umsatz generieren. Aber einerseits befürchtet er, sich damit den guten Ruf eines qualitativ hochwertigen Restaurants dauerhaft zu ruinieren. Andererseits möchte er den Kollegen, die sich mit dem Außer-Haus-Konzept in Koblenz etabliert haben, keine Konkurrenz machen. Ali Galas ist davon überzeugt, dass ein Restaurant ein klares Profil braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Neben Service und Ambiente, die in seinen Augen die beiden Grundsäulen der von ihm dargebotenen Gastlichkeit bilden, ist es ihm wichtig, seine Gäste wie bisher nur mit frischen, von A bis Z von Hand zubereiteten Speisen zu verwöhnen. Vorgefertigte Produkte sollen auch künftig keinen Einzug in seine Küche finden.
Bild oben: Kalbskarree mit Schwenkgemüse und Rosmarinkartoffeln
Nach Empfehlungen von IHK und DEHOGA, sollen Gastronomen die Preise in der Corona-Zeit wegen des zu erbringenden Mehraufwandes um zwanzig Prozent anheben. Für die Preise der gehobenen Gastronomie, zu der sich das Restaurant Reĝa zählen darf, wäre das vermutlich schwierig umzusetzen. Damit würde das Auswärtsessen noch mehr zu einem sich eher selten gegönnten Luxus. Hinzu kommt, dass jetzt mehr Gäste auf den Preis achten müssen, weil sie selbst um ihren Job bangen oder ihn sogar verloren haben. Die in Deutschland schon immer herrschende „Geiz-ist-geil“-Mentalität, sagt Galas, setze sich weiter durch und betreffe auch das Restaurant-Essen.
Er beobachte zurzeit eine aus dem mit Corona verordneten „Wir-bleiben-Zuhause“-Denken erwachsende Bequemlichkeit, die die eigenen vier Wänden, Terrassen und Gärten zu einem Platz des miteinander Essens werden lassen. Hier ziehen fertig gekaufte Speisen oder mit eigener Koch- und Grillausrüstung Zubereitetes ein. In vielen benachbarten, vor allem den südlichen Ländern ist ein derartiges Freizeitverhalten kaum vorstellbar, weil Ausgehkultur und Lebensgefühl dort gänzlich anders sind.
Ein weiteres Problem stellen für die Gastronomie die sich durch weggebrochene Lieferketten ergebenden Lieferengpässe beim Lebensmittel-Großhandel dar. Darauf muss Ali Galas mit einer weiteren Verknappung der schon zuvor bewusst als „klein aber fein“ angelegten Speisekarte reagieren.
Nach all diesen düsteren Ausführungen könnte man glauben, das Gastronomen-Paar sei der Verzweiflung nah und würde zumindest nachdenken über ein Aufhören. Aber Ali und Kerstin Galas haben Kämpfergeist und blicken optimistisch in die Zukunft des Restaurants, das ihrer Einschätzung nach in etwa sechs Monaten wieder zu einem Normalbetrieb zurückfinden könnte. Sie hoffen, dass die Corona-Krise den Menschen nicht dauerhaft die Lust an Kulinarik genommen hat, sondern dass sie zurückfinden zu der Wertschätzung der feinen Küche. Sollte es allerdings noch einmal einen Lockdown geben, sehen sie schwarz. Das würde nicht nur für ihr Restaurant Reĝa das Aus bedeuten. Es wäre auch für die überwiegende Anzahl der übrigen gastronomischen Betriebe nicht zu verkraften.
Das Gespräch mit Kerstin und Ali Galas führten Sylvie Weber und Barbara Senger am 29. Mai 2020 auf der Außenterrasse des Restaurants Reĝa.



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